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Mayer, Stephanie

Erfahrungsberichte > Archiv
Huancarani, 02. März bis 21. April 2026
Vom 2. März bis zum 21. April durfte ich als Zahnärztin in Huancarani, Bolivien, tätig sein. Bereits vor meinem Einsatz reiste ich einen Monat lang durch Argentinien und die Atacamawüste, bevor ich Bolivien erreichte. Im Anschluss an das Projekt verbrachte ich außerdem noch einen weiteren Monat damit, das Land zu bereisen.
Südamerika begleitet mich schon seit vielen Jahren und fühlt sich für mich inzwischen wie ein zweites Zuhause an. Während meines Studiums absolvierte ich ein Auslandssemester in Chile, wo ich bereits mit Patienten arbeiten durfte. Dadurch wusste ich schon damals, wie herzlich, offen und dankbar die Menschen sind – Erfahrungen, die meine Verbindung zu diesem Kontinent nachhaltig geprägt haben.
Schon seit Beginn meines Zahnmedizinstudiums war es mein großer Traum, in Südamerika für eine Hilfsorganisation tätig zu sein und Menschen mit eingeschränktem Zugang zu zahnmedizinischer Versorgung zu unterstützen. Dass ich mir diesen Wunsch nun erfüllen durfte, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit und Demut. Gleichzeitig hat mir diese Zeit gezeigt, dass ich mir sehr gut vorstellen kann, auch künftig regelmäßig an solchen Projekten mitzuwirken.
Ausschlaggebend für meinen Einsatz in Huancarani war dabei nicht nur mein persönlicher Bezug zu Bolivien, sondern vor allem die außergewöhnlich herzliche und engagierte Kommunikation mit Ekkehard. Schon im Vorfeld spürte man, mit wie viel Leidenschaft und persönlichem Einsatz dieses Projekt geführt wird. Die Betreuung war jederzeit unkompliziert, ehrlich und verlässlich – etwas, das ich in dieser Form bei keiner anderen Organisation erlebt habe.
Nach meiner Ankunft wurde ich von Henry in Cochabamba abgeholt und verbrachte bereits meinen ersten Nachmittag im Consultorio, wo Svenja, Ralf und Timm arbeiteten. Ich wurde sofort herzlich ins Team aufgenommen. Besonders schön war das familiäre Miteinander im Alltag: die gemeinsamen Mittag- und Abendessen, das wunderbare Essen von Doña Adela und die vielen Gespräche und gemeinsamen Abende machten es leicht, sich schnell zuhause zu fühlen. Auch Doña Adela, Don Felipe, Henry und Roland trugen maßgeblich dazu bei, dass sich das Projekt schnell wie ein Zuhause auf Zeit anfühlte.
Auch außerhalb des Projekts entstanden viele besondere Erinnerungen – bei gemeinsamen Ausflügen nach Villa Tunari, Torotoro-Nationalpark, Cochabamba und Sucre. An den letzten Wochenenden nutzte ich die verbleibende Zeit außerdem, um einige 5000er in den Anden zu besteigen und dort zu campen- wobei ich Letzteres vermutlich nicht unbedingt jedem empfehlen würde.
Während meines über siebenwöchigen Aufenthalts durfte ich in unterschiedlichen Teamkonstellationen arbeiten: zunächst gemeinsam mit Svenja, Ralf und Timm, später mit Timm alleine. Natürlich war Henry auch immer Teil des Teams und hat uns immer wieder unterstützt und kleinere Probleme/ Reparaturen schnell gelöst. Der Humor kam da auch nie zu kurz. Zwischendurch besuchte uns auch Ekkehard persönlich für 3 Wochen, wodurch noch deutlicher wurde, wie sehr ihm dieses Projekt und Bolivien selbst am Herzen liegen. Zum Abschluss arbeitete ich nochmals gemeinsam mit Rudolf und durfte außerdem bereits das nachfolgende Team kennenlernen.
Die erste Zeit im Projekt war durchaus herausfordernd, da dies mein erster Einsatz in einem solchen Rahmen war und ich erst seit zwei Jahren als Zahnärztin arbeite. Anfangs fragte ich mich oft, ob ich dieser Verantwortung wirklich gerecht werden könnte. Doch mit jedem Tag gewann ich mehr Sicherheit – nicht zuletzt durch die Unterstützung der anderen Voluntarios sowie die Geduld und Dankbarkeit der Patienten. Diese Erfahrung hat mir nicht nur fachlich, sondern auch persönlich viel Selbstvertrauen gegeben und meine Freude an der Zahnmedizin geweckt.
Zu meinen Aufgaben gehörten vor allem konservierende Behandlungen sowie Extraktionen. Besonders beeindruckt hat mich, dass im Projekt großer Wert auf zahnerhaltende Therapie gelegt wird. Anders als in vielen vergleichbaren Einsätzen, bei denen aufgrund fehlender Möglichkeiten oft hauptsächlich Schmerzbehandlungen und Extraktionen durchgeführt werden können, wird hier versucht, Patienten langfristig und nachhaltig zu versorgen. Neben dem eigenständigen Arbeiten unterstützte ich auch Studierende bei ihren Behandlungen – der fachliche Austausch und das gemeinsame Arbeiten haben mir große Freude bereitet.
Auch die Ausstattung und Materialien entsprachen einem bemerkenswert hohen Standard, was die Arbeit zusätzlich erleichterte. Gleichzeitig wird kontinuierlich versucht, das Projekt weiterzuentwickeln und die Bedingungen vor Ort weiter zu verbessern.
Besonders berührt haben mich die kleinen Gesten der Fürsorge im Alltag. Als ich über Ostern krank wurde, kümmerte sich Henry sofort um Medikamente, während Doña Adela mir Suppe kochte. Gerade solche Momente haben gezeigt, mit wie viel Herzlichkeit und Menschlichkeit dieses Projekt getragen wird.
Rückblickend war diese Zeit für mich sowohl beruflich als auch persönlich eine enorme Bereicherung. Ich nehme viele wertvolle Erfahrungen, Begegnungen und Erinnerungen mit – und vor allem den Wunsch, eines Tages nach Huancarani zurückzukehren.
Stephanie Mayer
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