Korn, Martin
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Huancarani, 06. - 24. July 2026
Den Wunsch, an einem zahnärztlichen Hilfsprojekt mitzuwirken, hegte ich schon lange und es brauchte zwei Jahre, dies beruflich und
privat in die Wege zu leiten. Nach Recherchen im Internet bin ich schließlich
auf den FCSM und sein Engagement in Huancarani gestoßen. Ausschlaggebend hier
nachzufragen waren die vorhandene zahnärztliche Infrastruktur, die
Unterbringung vor Ort mit Verpflegung und eine große persönliche Affinität zur
spanischen Lebenskultur. Lateinamerika hatte ich bis dato noch nie besucht und
so wollte ich mich gern hier einbringen. Die Praxis befindet sich in der Nähe
von Cochabamba in der Provinz Cercado, circa 220 Kilometer südöstlich der
Hauptstadt La Paz, in der „Cordillera Oriental“ auf 2600 m über dem
Meeresspiegel. Meine Sprachkenntnisse liegen auf A1- Niveau, was aus meiner
persönlichen Sicht die Minimalanforderung ist, sich einigermaßen mit den
Patienten verständigen zu können.
Im Juli 2026 bin ich, aus dem Praxisalltag kommend, von
Frankfurt über Madrid und Santa Cruz nach Cochabamba aufgebrochen. Meine
Ankunft war herzlich und ich hatte großes Glück mit Martina und Christoph sowie
den Zahntechnikern Mike und Walter ein „huancarani-erfahrenes“ Team
vorzufinden. Untergebracht sind wir in ansprechend und einfach eingerichteten
Zimmern in einer Wohnung mit zwei Bädern, Küche und zwei Aufenthaltsräumen über
dem Consultorio. Es gibt Wasser, Tee und Kaffee zu trinken und wer mag, der
besorgt sich etwas nach persönlichem Gusto in den nahegelegenen Lädchen. Das
Frühstück wird in Eigenregie orga-nisiert, für Mittag- und Abendessen wird
durch die „gute Seele“ des Hauses Doña Adela gesorgt. Wir können unsere Wäsche
waschen und müssen Haushaltpflichten wie Müllentsorgung und Putzdienste selbst
in die Hand nehmen. Der Arbeitstag beginnt in der Regel gegen 8:30 Uhr bis
12:00, unterbrochen von einer Mittagspause und setzt sich ab 13:00 Uhr bis
17:00 Uhr fort.
Die ersten drei Tage begleitete und assistierte mir Henry,
der hier die Funktion des Praxismanagers innehat. Die Zusammenarbeit war einfach und
unkompliziert, so dass ich effektiv in die zahnärztliche Behandlung einsteigen
und sprachliche Barrieren am Patienten schnell überwunden werden konnten. Mir
begegneten hier Menschen mit großem Behandlungsbedarf in allen Altersgruppen.
Kariesbedingter Zahnverlust in Verbindung mit Gingivit-is, seltener Parodontis,
dominieren das klinische Bild. Häufig bleiben die Lücken unversorgt. Besonders
überraschte mich vor dem Hintergrund des Nahrungs– und Getränkeangebotes in den
„Tiendas“ und den Märkten der Umgebung der hohe Zuckeranteil im
Ernährungsportfolio. Der Anteil an Softdrinks im 2-3 Literfor-mat und
Süßspeisen ist enorm. Wissen um zahngesunde Ernährung und Mundhygiene sind nur
marginal zu finden. Und so prägen den Praxisalltag konservierende Behandlungen,
Extraktionen sowie Zahnreinigungen. Wurzelkanalbehandlungen sind sorgfältig
abzuwägen und beschränken sich auf Zähne mit guter Erreichbarkeit sowie
„sicherer“ Prognose. Zusätzlich fertigen die Zahntechniker im hauseigenen Labor
Prothesen an oder reparieren bzw. unterfüttern vorhandenen Zahnersatz. Die zahnärztlichen Dienstleistungen kosten die
Patienten einen für unsere Verhältnisse kleinen Obulus. Im Vergleich: der Preis
für eine Füllung oder Zahnent-fernung beläuft sich auf 10 Bolivianos, während
ein 2 Litergebinde Cola für 16 Bolivianos zu bekommen ist. Neben der
zahnärztlichen Tätigkeit müssen wir das Auffüllen der Arbeitsmaterialien,
Bohrer und Instrumente, die Hygiene von Hand- und Winkelstücken selbst
organisieren.
Unsere Patienten sind geduldig und dankbar und nach drei
Wochen Einsatz mache im mich bewegt und sehr befriedigt von vielen Eindrücken auf
den Heimweg. Für mich war es eine lohnenswerte Erfahrung zahnärztlich in einem
Land wie Bolivien mit all seinen Gegensätzen tätig zu sein. Wir hatten ein
gutes, von gegenseitiger Wertschätzung und herzlichem Miteinander geprägtes
Arbeitsklima sowie Raum und Zeit für Freizeitaktivitäten und persönlichem
Austausch.
Gern komme ich wieder und kann die Arbeit hier aus ganzer
Überzeugung sehr empfehlen.
Martin Korn