Frank, Emma - FCSM-WEB-Seite

Direkt zum Seiteninhalt

Frank, Emma

Erfahrungsberichte > Archiv
Huancarani, 12.Januar bis 27. Februar 2026

Im Sommer 2025 steckte ich mitten im Stress meines Staatsexamens. Den Sommer in der Bibliothek und in der Zahnklinik zu verbringen, anstatt draußen am Meer wie alle anderen in Kiel war ziemlich frustrierend. Da wollte ich unbedingt etwas, worauf ich mich danach freuen kann.
Bei meiner Suche nach Möglichkeiten für einen Auslandsaufenthalt bin ich auf das zahnmedizinische Projekt des Förderkreises Clinica Santa Maria (FCSM) in Huancarani in Bolivien gestoßen. Nachdem ich mich eine Zeit lang damit beschäftigt und viele positive Erfahrungsberichte gelesen hatte, war für mich schnell klar, dass das genau das Richtige für mich sein könnte. Besonders überzeugt hat mich, dass im Consultorio auf einem hohen zahnmedizinischen Standard gearbeitet wird und erfahrene Zahnärzte vor Ort sind, von denen man viel lernen kann. Außerdem war die Kommunikation mit den Patienten für mich möglich, da ich Spanisch spreche, was ich zukünftigen Freiwilligen nur empfehlen kann. Und natürlich klang auch die Aussicht verlockend, an den Wochenenden ein so vielfältiges Land wie Bolivien entdecken zu können.
Als ich schließlich die Zusage von Ekkehard vom FCSM per E-Mail bekam und anschließend auch noch die für eine Förderung durch die Apobank, war ich überglücklich. Von diesem Moment an begleitete mich die Vorfreude durch die anstrengende Zeit meines Staatsexamens.
Am 11. Januar war es dann endlich soweit. Trotz Schneesturm in Deutschland und einer etwas unberechenbaren Deutschen Bahn machte ich mich mit dem Zug von Kiel auf den Weg zum Flughafen nach Frankfurt. Zum Glück lief alles glatt und von dort ging es mit dem Flugzeug weiter über Buenos Aires und Santa Cruz nach Cochabamba. Insgesamt war ich über 38 Stunden unterwegs. Umso größer war die Freude, als das Flugzeug schließlich in Cochabamba landete und mir beim Aussteigen das angenehm warme Klima entgegenschlug.  
Henry, der im Consultorio so etwas wie der Mann für alles ist, erwartete mich bereits am Flughafen. Gemeinsam fuhren wir nach Huancarani. Dort zeigte mir Doña Adela kurz meine Wohnung, und etwa fünf Minuten später fiel ich todmüde ins Bett – denn in weniger als acht Stunden sollte schon mein erster Arbeitstag beginnen. Schon in den ersten Wochen wurde mir klar, wie groß der Bedarf an zahnmedizinischer Versorgung in der Region ist. Manche Patienten saßen bereits morgens um vier Uhr vor dem Tor, um möglichst früh behandelt zu werden. Um 8:30 Uhr wurden alle Patienten aufgenommen – meist zwischen 20 und 30 pro Tag – und dann begann für Richard, Nadja und mich der Arbeitstag.
Das Behandlungsspektrum war sehr vielfältig: von Kontrolluntersuchungen und Prophylaxe über Füllungstherapien und Wurzelkanalbehandlungen bis hin zu Zahnextraktionen. Besonders häufig begegneten uns Patienten mit weit fortgeschrittener Karies oder starker Gingivitis, die oft schon lange unter Schmerzen gelitten hatten, bevor sie zu uns gekommen sind.
Da ich direkt aus dem Studium kam, war es für mich besonders spannend und lehrreich zu sehen, wie Richard und Nadja behandeln. Ich konnte viele praktische Tipps und Tricks mitnehmen und bin sehr dankbar, dass ich mit den beiden zusammenarbeiten durfte. Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch wenn die Tage manchmal lang und anstrengend waren.
Die Wochenenden nutzten wir oft, um das Land zu erkunden. Wir waren unter anderem in Sucre, im Nationalpark Toro Toro, in Cochabamba oder Wandern auf den Pico Tunari. Bolivien ist unglaublich vielfältig und beeindruckend. Man muss nur ein bisschen Flexibilität mitbringen, denn gut planen kann man hier nicht. Nach einem Wochenende voller Abenteuer war es dann aber auch immer wieder schön, nach Huancarani zurückzukehren. Auch die Wohnsituation war sehr angenehm. Wir wohnten in einer WG direkt über dem Consultorio, was kurze Wege bedeutete und gleichzeitig das Zusammenleben im Team sehr schön machte. Ein großes Dankeschön gilt dabei auch Doña Adela, die uns jeden Tag mit leckerem Essen versorgt hat.
In meiner fünften Woche in Huancarani standen dann die Schulbesuche an. Nadja und ich hatten in der Woche zuvor eine Präsentation vorbereitet und alles gemeinsam mit Ronald organisiert. Die Vorfreude auf die Arbeit mit den Kindern und ein wenig Abwechslung zum Praxisalltag war groß.
Von Montag bis Mittwoch waren wir in der Schule, die nur etwa drei Minuten zu Fuß vom Consultorio entfernt liegt. Dort werden die Klassen eins bis sechs unterrichtet. Pro Vormittag besuchten wir drei bis vier Klassen mit jeweils etwa 20 bis 37 Kindern. Zuerst hielten wir unsere Präsentation im Klassenzimmer, anschließend gingen wir gemeinsam auf den Schulhof, um das Zähneputzen praktisch zu üben.
 
Die Präsentationen funktionierten meistens sehr gut. Die Kinder hatten bereits erstaunlich viel theoretisches Wissen. Sie wussten genau, wann man sich die Zähne putzen sollte und welche Lebensmittel viel Zucker enthalten. In einer sechsten Klasse konnte sogar ein Kind „Gingivaschwellung“ als Symptom einer Gingivitis benennen – das hat mich wirklich sehr beeindruckt.
Leider zeigte sich jedoch, dass die Umsetzung dieses Wissens im Alltag oft schwierig ist. Ein Mädchen begann beispielsweise, mit der Rückseite der Zahnbürste zu putzen. Ronald erzählte uns von einem anderen Mädchen, das sich eine Zahnbürste mit ihren fünf Geschwistern teilt. Andere Kinder berichteten, dass sie immer noch die Zahnbürste benutzen, die sie letztes Jahr von Zahnärzten geschenkt bekommen haben. Auch an der Motorik konnte man deutlich erkennen, welche Kinder regelmäßig putzen und welche kaum Erfahrung mit einer Zahnbürste haben.
Die Schulbesuche waren insgesamt eine sehr schöne Erfahrung. Die meisten Kinder waren sehr interessiert und dankbar. Einige sagten, sie wollten bald im Consultorio vorbeikommen – dort ist die Behandlung für Kinder bis zwölf Jahre kostenlos. Viele freuten sich auch sehr über die Zahnbürsten und wollten am liebsten gleich welche für ihre Geschwister mitnehmen.Leider zeigte sich jedoch, dass die Umsetzung dieses Wissens im Alltag oft schwierig ist. Ein Mädchen begann beispielsweise, mit der Rückseite der Zahnbürste zu putzen. Ronald erzählte uns von einem anderen Mädchen, das sich eine Zahnbürste mit ihren fünf Geschwistern teilt. Andere Kinder berichteten, dass sie immer noch die Zahnbürste benutzen, die sie letztes Jahr von Zahnärzten geschenkt bekommen haben. Auch an der Motorik konnte man deutlich erkennen, welche Kinder regelmäßig putzen und welche kaum Erfahrung mit einer Zahnbürste haben.
Die Schulbesuche waren insgesamt eine sehr schöne Erfahrung. Die meisten Kinder waren sehr interessiert und dankbar. Einige sagten, sie wollten bald im Consultorio vorbeikommen – dort ist die Behandlung für Kinder bis zwölf Jahre kostenlos. Viele freuten sich auch sehr über die Zahnbürsten und wollten am liebsten gleich welche für ihre Geschwister mitnehmen.
In meiner letzten Zeit in Huancarani habe ich dann gemeinsam mit Svenja und Ralf behandelt. Beide waren nicht zum ersten Mal im Projekt und kannten sich daher sehr gut mit den Abläufen vor Ort aus. Durch Ralfs Erfahrung konnte ich zahnmedizinisch noch einmal viel lernen und gleichzeitig zunehmend selbstständiger arbeiten. Durch Svenjas gute Kontakte haben wir auch nochmal unsere direkte Umgebung und die Menschen, die dort leben, nochmal besser kennenlernen können.
Rückblickend war mein Aufenthalt in Huancarani eine unglaublich wertvolle Erfahrung – sowohl fachlich als auch persönlich. Ich konnte meine praktischen Fähigkeiten weiterentwickeln, viel von erfahrenen ZahnärztInnen lernen und gleichzeitig einen kleinen Beitrag zur zahnmedizinischen Versorgung in einer Region leisten, in der diese nicht für alle selbstverständlich ist. Besonders berührt hat mich die Dankbarkeit vieler Patienten und die Offenheit der Menschen vor Ort.
Der Einsatz hat mir gezeigt, wie wichtig solche Projekte sind und wie viel man mit relativ einfachen Mitteln bewirken kann. Für mich wird diese Zeit definitiv unvergesslich bleiben und ich kann einen Einsatz in Huancarani wirklich uneingeschränkt weiterempfehlen.
Emma Frank
Zurück zum Seiteninhalt