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» Jan Ruprecht (2003)


Dr. med. dent. Jan Ruprecht
Zahnarzt
 
Seine erste Mitarbeit in unserer Missionklinik war vom 16.3. bis zum 17.4. 2003

Erfahrungsbericht  Guadalupe
 
 
Ein ganz normaler Arbeitstag in Guadalupe beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück um 7:30 Uhr. Um 8:30 Uhr haben wir dann angefangen zu arbeiten. Zuerst wurde die Anzahl der Patienten mit Rita, der recepcionista abgesprochen. Um 12 Uhr gab es dann Mittagessen. Die Mittagspause ging bis 14 Uhr, dann wurde je nach Patientenandrang und Behandlungsdauer bis um 17 – 18 Uhr gearbeitet. Um 18:30 Uhr gab es dann Abendessen.
 
Die Patientenzahl nahm zu als Wolfgang (Ernesto), ein Augenarzt nach Guadalupe kam. Viele Patienten sind dann nach Vorstellung beim Augenarzt gleich weiter zum Zahnarzt, was in den meisten Fällen auch bitternötig war. Sehr angenehm war, dass die Patientenzahl von einem selber festgelegt werden konnte. So konnte man anfangs zum „Eingewöhnen“ mit weniger Patienten anfangen. Sehr zu empfehlen ist, am ersten Tag eine Inventur zu machen und zu schauen, was alles an Materialien da ist. Um es vorwegzunehmen .. die Ausstattung ist top! Natürlich nicht zu vergleichen mit einer high-tech Praxis in Deutschland. Jedoch waren alle Materialien für eine solide Basisversorgung ausreichend vorhanden. Die Behandlungsstühle sind ältern Baujahrs und deshalb einfach zu reparieren, wenn mal was kaputtgeht. Erinnere mich da an eine Situation, als mitten in der Behandlung der Behandlungsstuhl rauchend!! seinen Geist aufgegeben hatte. Der Patient brachte sich mit einem beherztem Sprung vom Stuhl rechtzeitig in sichere Entfernung. Aber war alles halb so wild, Pepe (repariert einfach alles) hat es in kürzester Zeit wieder hingekriegt und die Behandlung konnte weitergehen.
 
Das Behandlungsspektrum umfasst Amalgamfüllungen im SZ-Bereich und Kunststofffüllungen in der Front. Da ein Röntgengerät vorhanden ist (die Bilder werden von Hand entwickelt), können auch Endos durchgeführt werden. Aufgrund des Patientenandrangs jedoch nur in der Front. Extraktionen werden ebenso reichlich durchgeführt, die Möglichkeit zur Osteotomie besteht, Nahtmaterial ist reichlich vorhanden. Da in meiner Zeit auch eine Laboratista (Zahntechnikerin) da war konnten wir den Patienten auch kleine Klammerprothesen anbieten. In Zukunft sind eventuell auch Totalprothesen möglich.
 
Trotz vieler Patienten, die teilweise schon am Vortag anreisten, wurde viel gelacht und es wurde in einer sehr angenehmen Atmosphäre gearbeitet. Durch die offenen  Fenster schauten einem die Kinder beim Behandeln zu. Ein etwas sehr rudimentäres Spanisch verbesserte sich rasch und so verwechselte ich nach ein paar Tagen auch nicht mehr die Wörter für Zahn ziehen (sacar el diente) und Zahn erhalten (curar el diente) ...
Die Patienten waren sehr geduldig und dankbar und auch im Dorf war man als odontologo überall bekannt.
 
Hin und wieder kam es vor, dass auch wohlhabendere Patienten, die sich eigentlich auch einen ecuadorianischen Zahnarzt leisten hätten können, bei uns in der Zahnklinik erschienen. Dies stellte unser Gewissen ab und an auf die Probe. Wir wollten schließlich den einheimischen Zahnärzten nicht die Patienten abgraben. Es bewährte sich diese Patienten über den Befund aufzuklären, das Notwendigste zu machen und dann zu Versuchen sie dazu zu bewegen sich für die weiter Behandlung bei ihrem Hauszahnarzt vorzustellen. Bei entsprechender Argumentation (z.B. tiefe Karies im SZ-Gebiet ist besser woanders zu machen, da hier keine Endo im SZ-Gebiet durchgeführt werden kann) sahen dies auch die meisten ein.
 
Da ich von Oral-B eine größere Menge Zahnbürsten gespendet bekommen habe, war es möglich Prophylaxedemonstrationen mit Zahnputzübungen in den umliegenden Barrios durchzuführen. Die Kinder hatten einen Riesen Spaß dabei und wir ebenso. Da wir, um zu zeigen wie, uns natürlich auch die Zähne mitgeputzt haben, hat dies zusätzlich noch zur allgemeinen  Erheiterung beigetragen ...
Anschließend haben wir den Kindern in den Mund geschaut und am besten im Beisein der Eltern erklärt wo Karies ist und was zu machen sei.
 
Eine tolle Erfahrung war meine Zeit in Guadalupe. Durch die Herzlichkeit und Dankbarkeit der Leute hat das Arbeiten besonders Spaß gemacht. Auch die herzliche Aufnahme durch P. Jorge  Nigsch und den Hermanas hat dazu beigetragen, dass ich mich sehr wohl gefühlt habe. Beim Essen und auch sonst wurde viel gelacht und die Hermanas stellten durch ihre Neugier unsere Spanischkenntnisse auf eine harte Probe. Danke auch an Timm Steiner und Dr. Gabriel Basurca für die kollegiale Zusammenarbeit und eine Tolle Zeit.
 


Jan Ruprecht
 
 
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