Behr Trojanski 2025
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Huancarani, 16. August - 05. September 2025
Helfen und Heilen in Bolivien
Im Rahmen des FCSM (Förderkreis Clinica Santa Maria e.V. – Zahnmedizin für Lateinamerika) arbeitete ich mit meiner Frau, Dr. Andrea Behr (Zahnärztin & MdL), und meiner Tochter Katharina und ihrer Kommilitonin Josefine Paeßens (beide cand.med.dent.) im August 2025 im Projekt „Consultorio Dental“ in Huancarani/Bolivien. Diese Zahnarztpraxis wird ganzjährig von ehrenamtlichen arbeitenden Zahnärzten, Zahntechnikern und Assistenzpersonal sowie Studenten der Zahnmedizin betrieben.
Neben der Behandlung wird auch Prophylaxe und Mundgesundheitsaufklärung angeboten. Lokale Unterstützung gibt es durch bolivianische Helfer, die auch bei der Übersetzung helfen. Die Patienten kommen oft aus der umliegenden Region manche auch aus weit entfernten Städten. Die Patienten sind sehr dankbar, da sie der unteren sozialen Schicht angehören, für die gute Zahnmedizin sonst nicht erschwinglich ist. Viele sprechen Quechua (Sprache der ansässigen indigenen Bevölkerung), was Anlass zu besonderer sprachlicher Rücksicht gibt. Das Projekt ist sehr gut organisiert und etabliert. Es hat einen großen Zulauf.
Bolivien ist ein Land mit erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen besonders in ländlichen Regionen wie Huancarani. Das Plurinationale Land (36 anerkannten Volksgruppen) mit den größten Anteilen an indigener Bevölkerung Südamerikas ist momentan politisch sehr instabil. Mit einer Inflationsrate bis zu 25% ist es für die sozial schwachen Bevölkerungsgruppen sehr schwer eine adäquate Gesundheitsversorgung zu bekommen.Die Behandlung wurde von uns jeden Tag von 8:30 bis 17:00 Uhr selber organisiert. Die Patienten kamen sehr zahlreich mit zum Teil sehr desolaten Gebisszustand. Füllungen und Extraktionen waren an der Tagesordnung. Das Klientel ging durch alle Altersgruppen. Es gab viel zu tun!
Die Wochenenden nutzten wir um das Land und die Menschen besser kennenzulernen - ein Land von Gegensätzen und unglaublich schönen Landschaften. Wir kamen von El Alto auf 4100 Metern zum Titicacasee oder besuchten die größte Salzwüste der Erde die Salar de Uyuni. Wir gingen in Rurrenabaque als Tor zum bolivianischen Amazonasgebiet auf „Anakonda-Suche“ oder fuhren auf einem Seitenarm des Amazonas (Rio Beni), um dort Kaimane, Capybara, Faultiere oder Kapuzineräffchen zu zu beobachten.
Ein Land so bizarr und schön - und doch so arm. Wir haben den prägenden Eindruck unseres Einsatzes trotz aller Gegensätze sehr genossen – vor allem durch die Herzlichkeit der Menschen.
Unseren Jahresurlaub zum „Helfen und Heilen“ einzusetzen haben wir nicht bereut. Einfach da sein für andere!
Ich wünsche Euch bis zum nächsten Wiedersehen alles Gute – Gottes Segen!
Euer
Dr. André „Troja“ Trojanski