Bericht vom Aufenthalt in Guadalupe
Nach einem 2-tägigen Aufenthalt in Quito, den wir zu einem Besuch der schönen Altstadt mit ihren herrlichen Kirchen und der Äquatorlinie nutzten, kamen wir, bepackt mit Spenden, in Guadalupe an. Von Schwester Alexandra wurden wir auf der Hängebrücke, vor der ich immer noch einigen Respekt habe, herzlich empfangen. In der Missionsstation lernten wir auch die Schwestern Carmen und Edith kennen. Amanda zeigte uns unser Zimmer in der Residenz, und nachdem wir ausgepackt hatten, sahen wir uns in der Klinik um. Vom ersten Augenblick an spürten wir, dass uns eine interessante, schöne Zeit bevorstand und uns die Arbeit hier Freude bereiten würde. Der Tag in Guadalupe begann für uns mit dem Frühstück auf der Terrasse, wobei wir die Landschaft genießen konnten und mit dem Fernglas oft farbenprächtige Vögel beobachteten. Von den Schwestern bekamen wir für das Frühstück Milch, Eier, selbstgebackenes Brot und Obst. Gegen 8 Uhr beginnt dann der Arbeitstag in der Klinik. Da Wilfried nicht im Labor arbeiten konnte, weil kein Allgemeinmediziner da war,assistierte er mir im Sprechzimmer, arbeitete in der Zahntechnik und reparierte so einiges. Die Patienten aus den umliegenden pueblos sind mitunter lange zu Fuß unterwegs, um frühzeitig die Klinik zu erreichen. Die Behandlung besteht meist in einer größeren Sanierung des Gebisses, da die Menschen bei einem Besuch soviel wie möglich behandelt haben wollen. Am Anfang fiel es uns mitunter etwas schwer, das Ausmaß der Behandlung zu verhandeln und Amanda dolmetschte oft zwischen den Patienten und uns. Sie ist die gute Seele der Klinik, die alles organisiert und koordiniert. Lida assistierte und half uns auch bestens. Es ist sowohl in der Klinik als auch der Missionsstation sehr vorteilhaft, wenn man über einige Spanischkenntnisse verfügt. Bei der Behandlung sieht man zum Teil sehr desolate Gebißzustände, schon bei Kindern. Das liegt zum einen an dem Anbau des Zuckerrohrs und des darausfolgenden Verzehrs von viel Süßem, sowie auch an fehlender Prophylaxe und Mundhygiene. Hier wartet noch viel Aufklärungsarbeit. Die Ausstattung der Behandlungszimmer fanden wir sehr gut, sodass Füllungen mit Amalgam bzw. Composite, Extraktionen und im Frontzahnbereich auch Wurzelbehandlungen unter optimalen Bedingungen durchgeführt werden können. Womit wir nicht gerechnet hatten, war die Anfertigung von "placas". Ich fühlte mich in meine Studentenzeit zurückversetzt, hatte ich doch seit dieser Zeit nicht mehr zahntechnisch gearbeitet (ist schon "ein paar Monate" her). Germania bog fleißig Klammern, aber es war doch eine Umstellung, einfache Prothesen vom Abdruck bis zur Eingliederung selbst zu fertigen. Das stellt auch ein ziemliches Problem dar, da durch die fehlende Routine hierbei keine optimalen prothetischen Lösungen möglich sind. Insgesamt legte ich in den gut 3 Wochen Arbeit etwa 200 Füllungen und extrahierte ca. 60 Zähne. Das machten wir auch mit viel Freude, weil uns der Dank und die Freundlichkeit der Menschen aus dem Yacuambital sehr gut tat. Es war ein schönes Gefühl, willkommen zu sein und auch im Ort in die Geschehnisse einbezogen zu werden. Wir fühlten uns unter den Menschen dort schon nach kurzer Zeit sehr heimisch. In der Missionsstation wurden wir mittags und abends prima verpflegt dank Lilias Kochkünsten. Es ging sehr lustig zu beim Essen und auch das gemeinsame Abwaschen stärkte das Gemeinschaftsgefühl. Außerdem verbesserten sich auch unsere Spanischkenntnisse. Leider lernten wir erst in unserer letzten Woche Pater Georg kennen, der uns in Gesprächen zu allen Fragen, sei es Religion, Politik, das Leben der Menschen usw. dieses schöne Land näher brachte. Zu empfehlen ist auch, die Nachbardörfer in Begleitung der Schwestern kennenzulernen. Hier sieht man hautnah, wie die Menschen leben, was es für Probleme gibt. So beeindruckte uns tief die Armut der Bewohner von Kiim, die aber trotzdem sehr zufrieden und ausgesprochen herzlich zu uns waren. Von dieser Herzlichkeit ist uns Europäern leider mitunter viel verloren gegangen. An den Wochenenden wanderten wir viel, besuchten den Nationalpark Podocarpus, den Sonntagsmarkt in Yacuambi. Mit Wehmut nahmen wir nach dieser schönen Zeit Abschied von Guadalupe, das uns sehr ans Herz gewachsen ist und möchten uns ganz herzlich bei Pater Georg Nigsch, den Schwestern der Mission, Amanda, Lida, Germania und Rita für die herzliche Gastfreundschaft bedanken.
Ulrike und Wilfried Bär
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