Erfahrungsbericht Guadalupe
Nach fast 1 ½ Jahren Vorbereitungszeit war es dann endlich soweit. Ich saß im Flieger nach Quito und war wahnsinnig gespannt, was auf mich zu kommen würde. Gerade das 9. Semester mit Prothetik II hinter mir und nun stand wieder Kons auf dem Programm.
Nach gut 17-stündiger Reise waren wir ohne Probleme gegen 18 Uhr in Quito und sind mit dem Taxi zu Fam. Proaño gefahren, wo wir die Nacht verbracht haben. Am nächsten Morgen ging es mit dem Flieger nach Loja weiter. Da wir zu dritt waren, haben wir uns von Pater Georg ein Taxi organisieren lassen, das uns von dort aus nach Guadalupe gefahren hat. Das Wetter hat uns zwar mit Dauerregen begrüßt, aber allein die landschaftlichen Eindrücke waren faszinierend und die Fahrt war schon ein Erlebnis an sich (Erdrutsche sind bei dem Regen an der Tagesordnung…aber es gibt immer irgendwo nen Bagger, der die Straße wieder plan macht). In Guadalupe angekommen, sind wir sehr herzlich empfangen worden und die Residencia, in der die Volontäre untergebracht sind, ist sehr groß und für dortige Verhältnisse sehr komfortabel.
Am nächsten Tag ging es dann los mit dem Behandeln. Wir waren insgesamt 3 Studentinnen, eine Zahntechnikerin und eine Zahnärztin. Und unser Mädels-Team hat super zusammen gepasst. Wir durften sehr selbständig arbeiten, aber Gisela – die Zahnärztin – stand uns immer mit Rat und Tat zur Seite, wenn wir Fragen oder Probleme hatten.
Anfangs hatte ich noch bissl Bedenken, ob ich mit meinem 3-Wochen-Intensiv-Spanischkurs zu Recht kommen würde, doch es ging besser als gedacht. Die Verständigung am Stuhl war nach 3 Tagen kein Problem mehr, da man ja immer die gleichen Vokabeln braucht und auch sonst hat man die Leute einigermaßen verstanden…ein „mas despacio, por favor“ war meistens sehr hilfreich J Und für alles andere war ja noch Lida da.
Das meiste, was zu tun war, waren Amalgam- und Kunststofffüllungen, Endos und Extraktionen. Leider sieht man sehr viele kariöse Zähne, v.a. auch bei Kindern, und es tut einem schon leid, wenn man bei so nem kleinen Kind dann nur noch extrahieren kann…es wäre daher sehr wichtig, noch mehr Prophylaxe zu betreiben.
Auch bekommt man sehr viele Anomalien zu sehen und viele Engstände, da KFO-Behandlungen natürlich für viele zu teuer sind.
Von der ganzen Erfahrung her gibt es für einen Studenten nichts Besseres. Man kann so viel behandeln und bekommt eine richtige Routine, die einem für später sicher sehr hilfreich ist. Ob das jetzt der Umgang mit den Patienten ist, der gesamte Behandlungsablauf oder die Entscheidungen, die man treffen muss. Das Schöne an allem ist, dass man von den Patienten immer mit einem Lächeln belohnt wird.
Neben den alltäglichen Dingen kommen einem dann auch so Sachen unter wie dass die Patienten schon mal auf dem Behandlungsstuhl einschlafen, dass eine Kopf-Platzwunde zur Versorgung auf dem Zahnarztstuhl landet oder dass man bissl improvisieren muss, wenn wieder mal der Strom ausfällt.
Die Wochenenden haben wir auf unterschiedlichste Weise verbracht. Wir haben einen Ausflug in den „Dschungel“ nahe der peruanischen Grenze gemacht, haben uns im „El Arenal“ mit Pool, Piña Colada und lecker Essen verwöhnen lassen (die Mutigen von uns haben auch Froschschenkel und „cuy“ gegessen), haben den Hausberg in Gummistiefeln erklommen und einen lustigen Austritt mit Pferden gemacht (die ecuadorianischen Sättel sind ein bisschen anders als bei uns J).
Ich kann jedem nur empfehlen nach Guadalupe zu fahren, weil man nicht nur fachlich wahnsinnig viel lernt sondern auch sehr sehr netten Menschen begegnet, bei den Schwestern so gut aufgehoben ist und mit dem besten Essen versorgt wird und man die Möglichkeit hat, sich ein Stück Ruhe und Gelassenheit mit nach Hause zu nehmen.
Veronika Schwarz
Eifelstr.12
93057 Regensburg
Deutschland
Telefon: 0941 68378
E-mail: vronischwarz@gmx.de