ERFAHRUNGSBERICHT GUADALUPE
02.05.2009 bis 31.05.2009
Residencia de Doctores/ Missionsgelände
Ich war sehr überrascht über die Unterkunft und das Missionsgelände. Es war bei weitem komfortabler und sauberer als ich es mir vorgestellt habe. Einerseits natürlich sehr schön zum geniessen ( vor allem der Blick ins Yacuambital vom Balkon aus mit jeder Veränderung je nach Licht und Tageszeit und all den Geräuschen aus dem Regenwald heraus) andererseits hat mich schon einige Male ein beklemmendes Gefühl beschlichen, wie wir „auf dieser Seite des Flusses“ gelebt haben und die Menschen aus Guadalupe „auf der anderen Seite“. Ich danke all den helfenden Händen, die das Gelände täglich gepflegt haben und vor allem den Schwestern. Sie bringen unglaublich viel Herzlichkeit und Freude in jeden Tag und vor allem die super leckeren Mittag- und Abendessen auf die wir uns immer schon Stunden im voraus gefreut haben.
Team
Anscheinend war das eine eher aussergewöhnliche Situation aber unser Team bestand ausnahmslos aus 5 jungen Zahnärztinnen und einem Zahntechniker (Durchschnittsalter 27 Jahre!!!). Für uns war das eine super Situation, weil wir nicht nur in der Klinik ein Team waren sondern auch in der restlichen Zeit…
Trabajo
Nachdem wir über unsere morgendliche Hymne „No quiero trabajar, no quiero estudiar..“ hinweggekommen sind, hatten wir unglaublich viel Motivation, Freude und Spass in der Arbeit. Bestimmt auch Dank der super Zahnarzthelferin Lida, die immer ein Ständchen im Radio angestellt hat oder eins auf den Lippen hatte. Und auch trotz unserem nicht allzu grossen Erfahrungsschatzes waren wir in keiner Situation überfordert, so dass wir mit jeder Herausforderung zu Recht gekommen sind. Unsere Arbeit bestand in der Hauptsache aus den Aufgabenstellungen, die auch in den Behandlungsrichtlinien festgelegt sind und wenn mal nicht all zu viele Patienten da waren haben wir auch nach Absprache OK- bzw. UK-Totale und sogar einmal eine komplette Totalprothese hergestellt. Die Materialien hierfür sind zwar nicht alle optimal vorhanden aber mit ein bisschen Geduld zur Suche, finden sich dann auch Materialien, die für den Zweck geeignet sind.
Klar, dass man im Oriente sitzt und nicht alles immer funktioniert, Wasser- und Strommangel lassen sich irgendwie überbrücken. TIP: Stirnlampe mitbringen!!!
Auf was man sich auch noch vorbereiten sollte, ist dass das Bild mit der Schlange von Patienten, die für eine Behandlung anstehen (.wie es auf den web-Seiten zu sehen ist) nicht immer stimmt! Als wir 4 Zahnärzte waren haben wir uns gegenseitig viel assistiert, als wir zu 3. waren gab es schon mehr zu tun und als wir zu 2. waren, war es zum ersten mal so, dass wir immer beschäftigt waren. Man überarbeitet sich sicher nicht, was einem die Zeit lässt entweder Prophylaxe-Arbeit in nahe gelegenen Schulen durchzuführen oder auch mal als 2er Team mit der mobilen Einheit in die umliegenden Dörfer zu fahren, was sehr interessante Erfahrungen sind!!
Freizeit
Mit dem Blick in Yacuambital ist mir sicher nie langweilig geworden, auch wenn wir mal ein Wochenende „nur“ auf dem Balkon „nichts“ gemacht haben. Hier lässt es sich in der Hängematte baumlen mit dem Blick in das grüne Tal. Direkt um Guadalupe gibt es auch tolle Ziele: Fluss mit kleiner Badestelle (..keine Vogelspinnen gesehen!), Froschfarm mit scheinbar sehr leckeren Froschschenkelchen (..ich lag leider mit Bauchproblemen krank im Bett), Wasserfälle (..ausser man ist abenteuerlustig, besser keine Abkürzungen durch den Regenwald nehmen, dann aber wirklich schön!), Yacuambi mit der indigenen Bevölkerung und und und…
Fazit
Es war eine wunderschöne und eindrucksreiche Zeit in Guadalupe mit zahlreichen Begegnungen interessanter und fröhlicher Menschen. Für mich war es das erste Hilfsprojekt, an dem ich teilgenommen habe. Um in diese Aufgabe hereinzuwachsen ohne sich zu übernehmen, kann ich das Projekt in Guadalupe nur empfehlen. Hat jemand jedoch den humanitären Hilfswunsch als Ziel, ist das Projekt in Guadalupe jedoch schon zu etabliert.
Anne End
Mai 2009