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FCSM - Förderkreis Clinica Santa Maria e.V. | Katharina Altmaier und Kathrin Schwientek (2008)
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Katharina Altmaier
Studentin

Kathrin Schwientek
Studentin

Arbeiteten in Guadalupe
vom 15.01.-25.04.2008

Wir danken sehr herzlich.

Erfahrungsbericht

von Katharina Altmaier und Kathrin Schwientek

Die Famulatur war für uns, da wir beide zuvor noch niemals in Südamerika waren, ein spannendes und aufregendes Erlebnis.

Wir bekamen erstmal einen ordentlichen Kulturschock: Nach der Landung in Quito prasselten die neuen Eindrücke nur so auf uns ein; auch bei der Ankunft in der Clinica wurden wir mit vielen neuen Menschen, Sprachen und Regeln konfrontiert. Dennoch war die Aufnahme dort sehr herzlich und es fiel uns nicht schwer, uns einzuleben. Die tolle Unterkunft in der Residencia und die schöne Anlage der Missionsklinik taten das Ihre dazu; auch das Essen bei den Hermanitas war sehr lecker (vorausgesetzt man mag Koriander).

Mit uns vor Ort waren noch zwei Zahnmedizinstudentinnen, eine junge Zahntechnikerin und ein erfahrener Zahnarzt. Letzteres war uns beiden sehr wichtig, da wir zu jedem Zeitpunkt die Patientenbehandlung verantworten können wollten, auch wenn diese über unseren klinischen Erfahrungsstand hinausgehen sollte.

Wir hatten Glück! Wir haben uns mit den Zahnärzten, die während unseres Aufenthaltes da waren, gut verstanden. Bei unserer Arbeit haben sie uns geduldig (Danke Stefan!) unterstützt und bei Diskussionen über fachliche Themen hatten wir die Möglichkeit über unseren zahnmedizinischen Tellerrand hinaus zuschauen und uns auszutauschen.

Obwohl die Ausstattung in den beiden zahnärztlichen Behandlungszimmern nicht dem entspricht, was wir aus Deutschland gewohnt waren, dauerte es nicht lange, bis wir uns mit den Gegebenheiten zurecht gefunden hatten. Für uns, die wir gerade frisch von der Uni kamen, war es anfänglich nicht immer leicht zu akzeptieren, dass die Mundhygiene, v.a.  auch junger Ecuadorianer/ -innen, keine andere Möglichkeit bot, als die Zähne zu extrahieren. Den einen oder anderen Zahn hätten wir gerne versucht zu erhalten, aber da die Patientencompliance zu schlecht ist und der Anreiseweg zur Clinica zu lang ist, war die Extraktion dann doch die vernünftigere Lösung. Andererseits bot uns dieser Umstand die Möglichkeit vieles auszuprobieren und zu lernen, wie es uns an der Uni in dieser Form nicht möglich war. Wir haben z.B. sehr viele Zähne extrahieren können und auch kleinere chirurgische Eingriffe selbst durchgeführt, wodurch wir uns nun für den Berufseinstieg schon besser gewappnet fühlen. Interessant fanden wir auch, dass wir einige zahnmedizinische Kuriositäten (z.B. diverse Zahnanomalien, - verlagerungen, Tetrazyklinverfärbungen, 9er etc), die wir bisher nur aus Büchern und Vorlesungen kannten, klinisch zu sehen bekommen haben.

Sehr nervenaufreibend war für uns anfänglich die Behandlung von Kindern. Sie kamen leider oft erst dann, wenn es für konservierende Maßnahmen schon zu spät war, so dass wir gleich bei ihrem ersten Zahnarztbesuch mit Spritze und Zange anrücken mussten. Und wäre es lieber gewesen, die Kinder hätten eine positivere Erfahrung mit uns machen können.

Eine weitere außergewöhnliche Erfahrung war unsere Jornada, die wir in einem kleinen Dorf bei Zamora durchgeführt haben. Da wir im März mit Zahnärzten in der Clinica überbelegt waren, haben wir die Chance genutzt die neue mobile Behandlungseinheit zu testen. Wir haben zwei Tage in der Dorfkirche behandelt, was hier und da Improvisation erforderte (Strohhalm als Speichelzieher, Plastikgartentisch als Instrumentenablage, Altarstühle als Patientenstuhl etc.). Trotzdem konnten wir dank der neuen mobilen Einheit neben Extraktionen und Amalgamfüllungen auch „limpiesas“ mit dem Airscaler durchführen. Übernachtet und gefrühstückt haben wir im Bischofssitz Zamora.

Neben den vielen zahnmedizinischen Erfahrungen bekamen wir auch Einblicke in andere Fachgebiete. Zwei Teams, ein deutsches Augenärzte-, und ein kanadisches Chirurgenteam, ließen uns bei ihren Ops zusehen und erklärten uns alles, was wir wissen wollten. U.a. übernahmen wir für die Chirurgen auch Nachtschichten in der Klinik, wobei wir uns als Zahnärzte auch mal mit Stethoskop und intramuskulären Injektionen herumschlagen durften. Es war unglaublich zu sehen, welchen zusätzlichen Patientenandrang die Spezialisten ausgelöst haben. Die Patienten übernachteten teilweise vor der Kliniktür, um so auch sicher zu gehen eine „ficha“ zu erhalten.

Auch neben der Arbeit in der Clinica wurde uns nie langweilig. Vorallem der wunderschöne Balkon der Residencia mit Blick auf den Regenwald war immer ein geselliger Treffpunkt. Bei gemeinsamen Kochabenden, interessanten Gesprächen und der ein oder anderen Abschiedsfeier haben wir viele nette Leute kennengelernt. Trotz sprachlichen Durcheinanders sorgte v.a. der internationale Mix von Leuten für ein besonderes Flair.

Durch die Arbeit in der Klinik und den engen Kontakt mit den Einheimischen konnten wir Ecuador viel intensiver erleben, als es uns bei einem normalen Urlaubsaufenthalt möglich gewesen wäre. Der anfängliche Kulturschock hat sich schnell zum Kulturerlebnis gewandelt!

Wir hoffen, dass wir trotz des Berufsalltages, der jetzt auf uns zukommt, nochmal die Möglichkeit bekommen zurückzukehren.

Die Famulatur in der “Clinica Misional Nuestra Senora de Guadalupe“ können wir nur wärmstens weiterempfehlen. Es war ein Erlebnis, das wir jetzt nicht mehr missen wollen.

Katharina Altmaier & Kathrin Schwientek

 

katharina-altmaier@gmx.net

kathrin_schwientek@web.de


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