» Newsletter
» 03/2006

3. NEWSLETTER 2006

 

Lieber Eberhard,

 

wollte dir schon frueher schreiben, doch jetzt war ich eine Woche unterwegs mit Amanda und 3 Aerzten auf Ner Jornada in und um Paquisha.

 

Sind heute Nachmittag zurueckgekommen und ich dachte, dich interessiert es bestimmt, wie das war. Also wir waren in Paquisha in einem Hotel untergebracht - man gewoehnt sich an so Verschlaege! Es gab nur ne kalte Dusche - wenn ueberhaupt Wasser kam! Man lernt mit einer 2,5 Literflasche auszukommen, die man in einer guten Wasserphase am Abend vorher gefuellt hatte! ;-) gegessen haben wir in einem kleinen Restaurant - und da gab es pollo y arroz, Tag fuer Tag. Die ersten 2 Tage behandelten wir im Subcentro in Paquisha selber, ich hatte Glueck, denn da gab es einen Behandlungsstuhl. Ganz neu, noch nicht komplett installiert, aber das Licht ging wenigstens! Und ein Speibecken hatte es! Was fuer ein Komfort! (a propos speibecken, da muss ich noch was beichten: wollte in der Dlinica am blauen Stuhl das Becken fuer den Pat herziehen, da loeste es sich aus seiner Verankung und glischig, wie es war, rutsche es mir aus der Hand - und klirr! Tut mir wirklich leid!!!)

 





Da sie wohl nicht so viel Werbung gemacht hatten, war nicht sehr viel Andrang. Die Aerzte hatten so ca. 100 Patienten am Tag zusammen, ich zog 10-30 Zaehne am Tag. Insgesamt 98 in der Woche - haette ja gerne noch 2 mehr gehabt ;-)

 

Maria war mit dabei zum assistieren - mit Taschenlampe und Tupfern als Sauger. Die meisten Zaehne gingen wirklich gut raus, aber ein paar mal haette ich schon gerne Absaugung und Ost-Moeglichkeit gehabt - aber was nicht ist, ist nicht. Bei paar so hartnaeckigen Molaren, wo ein Stueckchen Krone nach der anderen abbroeselt, bis nur noch die Wurzel drin ist auf Knochenniveau,... da hatte ich danach dann schon einen lahmen Arm vom vielen Rumhebeln. oder die Suche nach Wurzeln: ein Gewuehle im Blut nach Gefuehl. Ein Wurzelspitzchen hab ich heute allerdings nicht gefunden und musste es drinlassen. Ansonsten lief aber alles gut. Puh, die bluten hier! Ein kleines Maedchen gestern hat so gebruellt und wollte nicht auf die Tupfer beißen, spuckte dafuer fleißig aus - munter auf ihr weißes, schickes Kleidchen - die sah aus! Einem Opa hab ich gleich 12 Zaehne und Wurzelreste auf einmal gezogen. es kam alles quer Beet. Viele Kinder haben schon aeussert karioese Milchgebisse dort und folglich mit 8 oder 9 Jahren tief zerstoerte, fistelnde 6er. Mundhygiene mangelhaft! ich Iiess dann die Eltern herkommen zur Aufklaerung - eine Mutter schaute mich mit grossen Augen an, als ich ihr erklaerte, ihr Sohn habe mucha caries und braeuchte calzas - ich glaub, die hatte von sowas noch nie gehoert! Die Ficha kostete 50 Cent und pro Zahn mussten sie extra noch 50 Cent bezahlen, max. jedoch 2 Dollar. Haette wie gesagt noch gerne mehr gemacht, aber konnte mir die Pat. ja nicht herzaubern. Marias Lohn hab ich wenigstens erwirtschaftet. Die Ficha fuer die Medicos incl. Medikamente kostete 1 Dollar.

 

Die weiteren 3 Tage waren wir in Doerfern - wieder in Subcentros bzw. in Schulen. Die Erwachsenen saßen dann eben auf einem Stuhl, die Kinder legte ich auf einen Schreibtisch. Ausgespuckt wurde in einen Karton oder in ein rostiges Fass mit plastiksack - alles recht improvisiert, aber es funktionierte! ;-) Heute zum Schluss waren wir in einem Goldminendorf und bekamen noch die Moeglichkeit, einen Stollen von innen zu besichtigen. Das war interessant! Also alles in allem hat mir die Woche sehr gut gefallen und ich hoffe, nochmals auf ne Jornada mitgehen zu koennen. War eine bereichernde Erfahrung! 

 





Und schoen war es, wieder hier in Guadalupe an der Bruecke anzukommen und darueber zu laufen - wie heimkommen!

 

Vorletzte Woche machten Gabriel und ich hier in Guadalupe Kontrollen im Colegio und in der Schule - und da waren wir wirklich positiv ueberrascht! Ich erwartete viel mehr zerstoerte Zaehne! Ganz viele haben jedoch nur hier und da ne kleine Fissurenkaries! Nur ein paar wenige haben ueble Gebisszustaende (und die kamen meist auch schon mit zerloecherten Klamotten an). Also hier in Guadalupe traegt die Prophylaxe der letzten Jahre Fruechte!!! Alle bekamen ein Zettelchen mit fuer die Eltern, was zu tun ist, und es erschienen bereits einige Schueler in der Clinica! Das hat uns gefreut!     

                                                                                                                                                                                                    

  

August 2006

Sigrun Wolmershäuser


nach oben