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2. NEWSLETTER 2006
4 Wochen Prophylaxe in Ecuador
Mein Name ist Petra Graff. Ich bin ZMF und arbeite normalerweise in der Praxis meines Mannes. In der Zeit vom 16.03. bis 18.04.2006 besuchte ich als „Spezialist für Zahnreinigung aus Deutschland“ die Missionsklinik „Clinica Nuestra Señora de Guadalupe“, um bei dem Aufbau einer Station zur Zahnprophylaxe und Kariesvorsorge zu helfen. Nach einer abenteuerlichen Reise kam ich an einem Sonntag in der Missionsgemeinde von Pater Jorge an. Als krönenden Abschluss musste ich den reißenden Fluss am Missionsgelände über eine schwankende Hängebrücke überquert. Später stellte mich der Pater mit freundlichen Worten in der Messe vor. Von den Kirchgängern wurde ich mit Applaus begrüßt.
Am nächsten Morgen wurde mein Prophylaxezimmer neben den bereits bestehenden zwei Behandlungszimmern neu eingerichtet. 4 starke Männer schleppten neben einem Behandlungsstuhl die transportable Absauganlage in mein Zimmer. Danach konnten ich meine mitgebrachten Materialien wie z.B. viele Zahnbürsten, großes Zahnputz-Modell, Scaler, Küretten, Zahnpasta, Polierpaste, Zahnseide, Pearls & Dents und Elmex Gelee einräumen.
Jetzt fehlte nur noch das Piezongerät und es konnte losgehen. Recht schnell hatte ich meine erste PZR Patientin. Es ging alles gut. Leider war eine Politur wegen fehlender Motoren nicht möglich. Nach Anleitung der Fones-Technik (alles mit meinem tollen Spanisch!) musste meine Patientin die Politur mit Pearls & Dents selbst übernehmen. Zum Glück war meine erste Patientin sehr interessiert und es wurde richtig lustig. Nach meiner Erfahrung wird die Reinigung der Zähne wird sehr gern angenommen.
Als nächster Schritt war geplant, mit den Nonnen in die umliegenden Dörfer zu fahren und dort die Prophylaxe vorzustellen. Das bedeutete am Vormittag Klinik und am Nachmittag in die Dörfer zu den Kindern. Dabei war mir Amanda eine große Hilfe. Wo finde dies, wie funktioniert das, wieso funktioniert es nicht – Amanda hatte immer eine Antwort und ein offenes Ohr. Sie war mein ruhender Pol und meine spanische Stimme.
Bei den Besuchen der Dörfer nahmen wir folgendes Material mit: 2 Stressbälle (Hager und Werken), die wir mit einem lachendem und einem traurigen Gesicht selbst bemalten. Obst und Gemüse aus Plastik, Süßigkeiten, Pepsi und viele Zahnbürsten.
Mit dem Bus und mit Gummistiefeln gegen Schlangen geschützt ging es über eine schwankende Hängebrücke eine ¾ Stunde in den Dschungel. Schwester Carmen erklärte uns unterwegs viele unbekannte und ungewöhnliche Dinge. Da ärgerte ich mich wieder mal über meine Spanischkenntnisse. Die Kinder erwarteten uns schon und begrüßten uns mit einem großen Geschrei. Zuerst wurde gesungen und getanzt, ich wurde vorgestellt und dann konnte es los gehen.
Schwester Carmen übersetzte, dass Zucker schädlich für die Zähne ist. Danach packte ich meine beiden Gesichter (Stressbälle) aus. Jedes Kind musste in den Korb greifen, Obst und Gemüse oder die Süßigkeiten herausnehmen und diese dann als gesund oder nicht gesund den beiden Gesichtern zuordnen. Jedes Kind bekam riesigen Beifall. Nur bei der Cola waren sie sich nicht sicher. Da kleine Kinder nach dem Abstillen mit Cola „weitergefüttert“ werden ist das ganze für die Menschen eigentlich normal. Nachdem das geklärt war, holte ich zur allgemeinen Begeisterung mein großes Zahnputzmodell heraus.
Besonders berührt hat mich in der Zeit der Besuch in einem sehr armen Dorf. Kein Strom, kein Wasser, keine Toilette! Eine Familie mit 6 Kindern, die nur in Lumpen mit aufgeblähten Hungerbäuchen vor sich hin leben mussten. Hier bin ich an die Grenzen meiner Möglichkeiten gekommen. Trotzdem glaube ich, dass Ecuador ein wunderschönes Land mit freundlichen und zuvorkommenden Menschen ist und Dank unserer Hilfe einen Schritt in Richtung Prophylaxe gehen wird.
Petra Graff
Juni 2006
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Mit der entsprechenden Zahnbürste zeigte ich ihnen „KAI“. Schwester Carmen übersetzte ins Spanische und die Kinder beobachteten alles mit riesigen Augen. Am Ende bekamen jeder eine neue Zahnbürste zum Putzen und ich viele Umarmungen. Pater Jorge hielt noch eine Messe und ermahnte die Kinder, eine Zahnbürste zum Putzen der Zähne und nicht zum Herumspielen zu benutzen. Nach der Kirche wurden wir mit lautem „Adios“ verabschiedet. Alles war sehr beeindruckend für mich. Auf dem Weg zurück brauchten wir ein Belohnung, also aßen wir alle Süßigkeiten auf. Schließlich schmilzt Schokolade. Da es schon spät war und der Bus auf sich warten ließ, „enterte“ Schwester Carmen kurzerhand einen LKW und wir hangelten uns an Seilen auf die Ladefläche. So vergingen die Tage in Ecuador. Für alle Teilnehmer war die Zeit ein großer Spaß und eine tief greifende Erfahrung zugleich.
Kontakte zur Bevölkerung konnten wir zum Beispiel bei dem Besuch in der Dorfdisco oder bei Ausflügen in die Umgebung knüpfen. Obwohl ich als Vorbereitung einen Spanischkurs besucht hatte, blieb die Verständigung die größte Herausforderung meiner Reise!
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